Der Standard des Afghanischen Windhundes im Detail

Dieser Artikel wurde 1978 von Frau Eta Pauptit geschrieben, zum ersten mal
veröffentlicht in der Europa-Ausgabe des vdOM Newsletter Nr 25
Deutsche Übersetzung: Gabriele Schröter
Tierzüchter müssen ein Idealtier als Ziel vor Augen haben. Mit diesem Tier im
Sinn werden Standards erstellt, und meiner Meinung nach muss man sehr strikt
sein. Wenn es um orientalische Windhunde geht, muss man sie vor dem Hintergrund
ihrer ursprünglichen Umgebung und der Härte des grausamen Klimas dort sehen.
Wegen der Zuchtprogramme und der Ernährung sind viele, um nicht zu sagen fast
alle, in Europa und vielen anderen Teilen der Welt sogar noch mehr, weit
entfernt davon. Oft ist das Ziel ein pflegeleichter Hausgenosse oder ein Objekt,
das Geld bringen soll, und nicht ein hoch intelligenter, aufmerksamer Jagdhund,
mager und hart, nicht zu gross und nicht zu klein. Das Ziel muss ein für die
Höchstleistung möglichst kleiner Hund sein, usw., usw.
In Asien haben die Menschen kaum genug zu essen, so dass es unmöglich ist, einen
Hund zu füttern, der grösser ist als er für die jeweilige Arbeit gebraucht wird.
Im Rückblick auf die Geschichte sehe ich, dass unser Standard mit Zardin und
Sirdar im Sinn erstellt wurde, obwohl man damals sagte, man züchte mit allen
importierten Hunde untereinander und versuche das beste zu mischen und nach dem
Standard zu selektieren. Die meisten frühen Importe entsprachen dem Steppentyp,
später erschien der Bergtyp. Nach meiner Kenntnis wurde damals nie ein
Kurzhaarafghane importiert. Es heisst, im Museum von Kabul gebe es eine Keramik,
die zwei kurzhaarige Afghanische Windhunde zeigt, aber als ich die Sammlung
besuchte, habe ich sie nicht gesehen. Ich weiss von ein paar Fällen, wo ein
Kurzhaarafghane nach 10 bis 20 Generationen auftauchte, und von zum Teil
unterschiedlichen Stammbäumen. Diese sind nicht als Steppentyp anzusehen, da sie
wie Hunde des Bergtyps gebaut sind. Unlängst wurde eine Reihe fast kurzhaariger
Afghanen für Rennen importiert, aber sie hatten einen hohen Anteil an Blut des
indischen Greyhounds oder Rampur Hundes.
Das ist am Kopf (Ohren und Augen) zu sehen, an der Rute (lang und greyhoundartig)
und besonders an den Pfoten, die rund und mehr Katzenpfoten sind, und sie sind
aufrechter, die vier Läufe gerader, wie es für Sprinter besser ist. Im Laufe der
Zeit neigten die Züchter meist dazu, den Bergtyp zu züchten, aber aus
finanziellen Gründen und wegen der kleinen Basis an Ausgangsmaterial kreuzte man
den Steppentyp ein und auch einen gestromten Hund "Pushum" (soweit ich mich
erinnere ein Sohn von Bhalbhul), mit unterschiedlicher Erscheinung. Reich
behaart und weniger windhundartig im Umriss.
In Holland hatten wir das Glück ein paar Züchter des Bergtyps zu haben, aber
später konnten wir es nicht vermeiden, ein wenig Steppentyp hinzuzunehmen wegen
der Gefahren, die mit zu weitreichender Inzucht einhergehen. Später hatten wir
in Holland ein paar Blutlinien von Direktimporten, die meisten davon wurden in
den USA verwendet, und wir können sie in den Stammbäumen ganz zurückverfolgen.
Eine Materialübersicht ergibt, dass wir meist mit einem variablen Erbe arbeiten
müssen und mir ist klar, dass wir immer noch zum Standard züchten müssen, also
zum Bergtyp. Und es ist bedauerlich, dass viele Züchter dies nicht einsehen.
Sie
sagen "Ich mag dies und ich mag jenes" und darum züchten sie. Dies ist absolut
falsch. Es geht nicht darum, was wir mögen, sondern darum, was der Standard sagt,
und mir ist das klar. Von allen Afghanischen Windhunden, die jedes Jahr
gezüchtet werden, sind nur 5% für von Zucht-Qualität, aber immer mehr werden
verwendet. Daher ist es sehr einfach zu sehen, warum der Durchschnitt so
schrecklich niedrig ist. Dies ist ein Jammer, da unser Windhund als
faszinierendes, original schönes Geschöpf zu uns kam, wohl ausgewogen und
königlich und gleichzeitig jagdtauglich und auch eine entzückende, liebenswerte
Kreatur, der Natur sehr nahe.
In all den Jahren, in denen ich Afghanische Windhunde betrachtet habe, hatte ich
immer diesen idealen Standardafghanen im Sinn. Der erste Blick auf einen Hund
gibt einen allgemeinen Eindruck vom Typ und der zweite Blick gilt der Bewegung
und da bekommt man ein detaillierteres Bild, ein gut gebautes Tier hört man
nicht, wenn es sich bewegt, es berührt den Boden kaum, und besonders unsere so
naturnahe Rasse muss dieses bemerkenswert leichte, federnde, mühelose Gangwerk
zeigen. Wo wir gerade vom Typ sprechen! Ich habe nie eine gute Erklärung der
Bedeutung dieses Begriffs geben können, aber er enthält "dem Standard so nah wie
möglich", und bevor ich ins Detail gehe, möchte ich das erklären. Ich sortiere
die Fehler der Reihe nach aus. Fehler bezüglich typischer Punkte und Fehler in
der 'Soundness', auf jeden Fall will ich ein Tier, das 'sound' ist. Aber wenn
ich in der Vergangenheit keine grosse Auswahl hatte, habe ich für mein
Zuchtprogramm das typischste genommen (sprich: weniger Fehler im Typ), und habe
dafür etwas weniger 'Soundness' in Kauf genommen. Damals hatten wir auch noch
viel mehr Schwierigkeiten bei der Aufzucht. Keine Impfungen, unterschiedliches
Klima, viele Hautprobleme usw.
Was die Punkte angeht, die den Typ ausmachen, so versuche ich immer, die
Unterschiede zwischen den zwei oder drei importierten Typen vor Augen zu haben,
wenn ich nach dem Standard auswähle.
Ich komme zum Afghanischen Windhund des Bergtyps:
Der Kopf muss ein grösserer Teil des Hundes sein, da der Kopf des
Steppen-afghanen einen kleineren Anteil am Körperganzen ausmacht. Die Nase hat
meist die Tendenz, ein wenig römisch zu sein, dann ein wenig Stop und vom
Nasenschwamm zum Stop muss die Strecke genauso lang sein wie vom Stop zum
Hinterhaupts-stachel. Die Nase selbst ist breit mit gut ausgeprägten Nüstern,
und der Nasenrücken muss viel Knochen haben ohne grob zu sein. Der Unterkiefer
muss ausgewogen und sichtbar sein, da er beim Steppentyp mehr oder weniger im
Oberkiefer verschwindet. Hier geht die Kinnlinie mehr nach oben in Richtung
Augen, wohingegen beim Bergtyp die Unterkieferlinie (im Profil) nach unten
tendiert um in den Bart überzugehen. Der Schädel des Bergtyps ist an den Augen
breiter als zwischen den Ohren. Hier haben wir das Gesicht mit dem faszinierend
menschlichen Blick (die Augen sind mehr wie beim Menschen eingesetzt). Es ist
genug Platz für die Augen in dieser Position, so dass der Hund uns ansehen kann,
und wenn der Hund Haltung hat, dann sieht er auf uns herab, während der
Steppentyp u uns aufsieht. Diese bleiben mit Kopf und Rute viel mehr auf einer
horizontalen Linie.
Der Kopf des Steppentyps ist zwischen den Ohren am breitesten und der Fang ist
meist länger. Typ-Mischlinge tendieren dazu, beides zu haben, so dass der Kopf
grob wird. Breit in Augenhöhe und Ohrenhöhe sieht gewöhnlich aus, bei manchen
wie bei Settern, bei anderen wie bei Schäferhunden. Es sind vielleicht die Ohren
des Steppentyps, die den mehr schäferhundähnlichen Ausdruck ergeben, da sie hoch
angesetzt sind und eigentlich auch ein wenig kleiner sind. Der Bergtyp hat mehr
Knochen, ist allgemein schwerer gebaut, die Nase sieht beim Bergtyp etwas
schwerer aus, das liegt auch an den stärkeren Muskeln, da Hals und Kopf höher
getragen werden. Der Kopf wird mehr nach hinten gehalten, und beide dienen als
Gegengewicht, für den Fall, dass der Hund in jenem unebenen Land plötzlich
bremsen muss. Darum sind gut zurückliegende Schultern notwendig, und darum sieht
es aus, als ob ein 'Dip', eine Delle, hinter den Schultern kommt. Das liegt
nicht so sehr an der Wirbelsäule, sondern an den grossen Schulterblättern, die
so gut am Brustkorb anliegen. Der Brustkorb ist so wichtig für den Bergtyp, da
er Ansatzraum haben muss für diese Hals- und Schultermuskeln, die Vorder- und
Hinterhand gut gewinkelt und unter dem Körper.
Beim Steppentyp bleibt die Vorderhand mehr vor dem Körper, so dass die Schultern
mehr am Hals liegen und die Wirbelsäule offener da liegt und gefühlt werden kann.
Deswegen ist der Steppentyp eher ein Sprinter und auch ein besserer Traber mit
längerem Schritt, aber nicht so federnd und anders als jede andere Hunderasse.
Als Sprinter hat der Steppentyp nicht so viel Vorbrust und der tiefste Punkt der
Brust (im Profil) ist bei den Ellbogen und danach gehts gleich nach hinten hoch
und da ist die Rippenwölbung vorbei.
Beim Bergtyp geht die Vorbrust nach unten bis zum tiefsten Punkt zwischen den
Vorderläufen und dann geht die Unterlinie gerade weiter bevor sie eine Abkürzung
n zum aufgezogenen Bauch <'tuck-up'> nimmt, und die Rippenwölbung geht viel
weiter nach hinten bis zu der letzten Rippe bei einem guten Exemplar.
Das bringt mich zur Lende. Beim Steppentyp ist der Rücken von den Schultern zur
Rute flacher in einer Linie und nur die Hüfthöcker ragen darüber hinaus, aber
beim richtigen Berghund geht die Lende ein wenig nach oben zum Hüfthöcker,
obwohl sie in sich gerade ist und immer breit und nie die Rundung des Greyhounds
über der Lende hat. Wegen der schwereren Muskeln stehen die Hüfthöcker des
Bergtyps nicht so hervor, aber sie stehen weiter auseinander, da die Hinterhand
in der Lage sein musste, den Hund zu jedem Zeitpunkt in jede Richtung zu
dirigieren. Die Kruppe muss lang sein und stärker abfallen im Bergtyp und die
Sitzbeinhöcker müssen so weit auseinander sein wie die Hüfthöcker, und der
Rutenansatz muss in der Mitte liegen. .Wenn man dies sieht, ist es klar, dass
der Ansatz beim Steppentyp höher ist. Durch seine Kopfhaltung und Rutenansatz
hat der Bergtyp mehr Kraft und Spannung in diesem Teil seines Körpers. Und wenn
er hiervon in der Bewegung (im Trab) Gebrauch macht, scheint er 'in der Luft zu
hängen'. Dies ist ein Muss für das federnde Gangwerk.
Sowie Greyhoundliebhaber in einem Afghanen den Greyhound sehen wollen und
daraufhin züchten oder bei einer Ausstellung danach suchen, dann ist es sicher,
dass der Hund dieses hochtypische Gangwerk verliert. Durch diese Bewegung hat
der Afghanische Windhund sich gleich von Anfang an von jeder anderen Rasse
abgesetzt. Jetzt kann ich auch erwähnen, das ich auch in der Bewegung diesen
Afghanen vor meinem geistigen Auge sehe. Der am besten gebaute ist der
harmonischste, der Abstand zwischen Occiput und Dip und Dip und Rutenansatz muss
der gleiche sein.
Nun sind wir also bei dieser Rute angekommen. Am Ansatz muss sie breit sein, da
sie beim Steppentyp am Ansatz schmal ist und nicht zum Ende hin schmaler wird
wie beim Bergtyp. Diese ist auch ein wenig kürzer. Wir wissen alle, dass die
Rute im Trab erhoben ist, halbhoch im Arbeitsgalopp oder Renngalopp (hier sogar
unten) und im Stand unten. Es ist lächerlich, eine Rute im Ring hoch zu halten.
Früher sagte uns der Standard, dass sie meist in einem Ring endet.
Heute sage er, dass es ein Ring sein muss. Nun, ich habe diesen festen Ring in
der Rute in fast allen Bell Murrays und, sagen wir, bei der Hälfte der
Ghazni-Importe gesehen, aber in der ersten Generation dieses Typs habe ich viele
sogenannte Setterruten gesehen, aber alle waren im Ansatz breit. In alten
Beschreibungen der Mischlinge der Typen hiess es, dass die Ringelrute beim
Steppentyp häufiger war. Viele hatten einen kompletteren Bogen, und ich kann
dies mehr bewundern als die ganz gerade Rute, aber sie darf den Rücken in der
Bewegung nicht berühren. Es ist verständlich, dass wir eine Vielfalt an Ruten
haben, da unsere Afghanen etwas Tibet Mastiff Blut zu haben scheinen (Ruten über
den Rücken geringelt, schwer befedert), und alle Mediterranen Rassen, die nach
Asien kamen, hatten verschiedene Rutentypen.
Was die Befederung angeht, so ist die Rute des Bergtyps reicher befedert, ohne
dass sie buschig ist, so dass es am besten ist, so nah wie möglich am Standard
zu bleiben. Vielleicht erreichen wir eines Tages grössere Uniformität, aber es
scheint schwierig mit diesem alten Erbe fertig zu werden. Die Hinterhand muss
jene ''gute Biegung' <Wende, Ecke> (good turn) haben, wie ein alter Ausdruck
früherer Richter in Grossbritannien besagte, mit dem sie versuchten, diese
exklusive orientalische Rasse zu verstehen. Für mich beschreibt er genau richtig
das Zickzack der Knochen vom Becken zu den Zehen, lange Knochen und die Ferse
sehr nah am Boden, Pfoten gut unter den Läufen stehend. Alle vier Sprunggelenke
nicht senkrecht wie beim Steppentyp, sondern halb unten und flexibel. Die vier
Pfoten fest auf dem Boden und alle Zehen gut gewölbt, in der Mitte wie ein
Habichtsschnabel hochstehend, vorn breiter als hinten, aber alle vier lang. Der
Steppentyp ist insgesamt aufrechter, nicht so gewölbt und die Ferse höher, aber
trotzdem eine Art Kamelfuss und nicht die Katzenpfoten, die man heutzutage im
Ring sieht.
Das Haarkleid des Steppentyps ist mehr eine Befederung, bei einigen der älteren
ein richtiger Mantel, aber er hatte nie das wollige Unterhaar des Bergtyps, das
durch das obere Haarkleid durchwächst und uns diese typische Ausstattung von den
'Hosen' bis zu den grossen Pfoten bringt mit der Unterbrechung dazwischen und
dem glatten Sattel. Sicher hat der glatthaarige nur Glatthaar. Manche sind wie
der Saluki-Teil unserer asiatischen Rassen, ja es ist eigentlich schade, dass
unser Standard vergisst, die glatthaarige Varietät zu erwähnen wie im
Salukistandard.
Das Haarkleid des Bergtyps ist wolliger, mit einer kleinen Tendenz zu einer
leichten Welle, um mehr Luft zu halten. Die Typ-Mischlinge hatten viel Haar mit
einer ziegenartigen Struktur und harsch in der Erscheinung wie beim Bobtail,
andere hatten eine Art seidiges, gerades Haarkleid. Dies könnte vom Rampur kommen,
obwohl die glatthaarigen ein Satin-artiges Fell hatten. Nur das Haarkleid des
Bergtyps ist meiner Meinung nach wasserdicht. Nun, jetzt nähern wir uns der
Farbe.
Es ist schon viele Male gesagt worden: schwarz, schwarz-loh sind Bergtyp-Farben,
vielleicht von den Mastiffs, auch das Rot mit Maske oder auch einfarbig tiefes
Gold. Der Steppentyp scheint reinerbig rehbraun <fawn> zu bringen oder
sandfarben mit einer Schattenmaske, weiss, elfenbein usw. Für mich teilen sich
die Blauen und anderen Farben auf in die Reihe der Dilutionsfaktoren und stehen
im Erbe des Rampurs, wie ich ihn in alten Beschreibungen gesehen habe, der (ohne
Grey-Auffrischung) wunderbar glänzende Blautöne hatte, mausgrau und seidiges
rötliches Haarkleid. Ich habe selbst einige gesehen. Jetzt gibt es auch
gestromte, aber ich bin mir nicht sicher, woher das kommt. Auch einige Sloughis
haben Stromung. Persönlich mag ich es nicht so gern beim Afghanen. Was die
weissen Abzeichen anbetrifft, nun, die alten Importe hatten viele weisse Pfoten
und auch weiss im Gesicht und ein jüngerer Direktimport in meiner eigenen Zucht
brachte eine Reihe weisser Abzeichen. Es scheint also originär zu sein und man
kann nur sagen, dass man es mag oder nicht. Es hat nichts mit der Harmonie der
Bewegung und des Gebäudes unseres geliebten Naturgeschöpfes zu tun, so dass
endlich etwas Spielraum für persönliche Vorliebe da ist. Ich habe ein paar
gescheckte Afghanen gesehen. Für mich kam das durch eine kürzliche Saluki-Einkreuzung
?? oder vielleicht Barsoi ??? wie gesagt wird, oder die alte Kreuzung mit einem
afghanischen Wachhund.
Auch die Augenfarbe ist für mich kein Problem, für einen Jäger scheinen die
helleren Augen besser zu sein, aber ich habe das Gefühl, dass wir dafür keinen
Beweis haben. Auf jeden Fall hatten die meisten Originalimporte der
Ghazni-Afghanen und ihre Nachkommen, die ich hatte, goldene oder braune Augen.
Das dunklere Auge scheint vom Steppentyp zu kommen, aber in den Typ-Mischlingen
habe ich viele Augen mit einem hellen Ring gesehen, und das lässt das Auge sehr
rund aussehen.
Als ich in Afghanistan war, habe ich zwei Afghanische Windhunde vom Bergtyp
gesehen, einen roten und einen blauen, beide hatten mitteldunkle bis goldene
Augen, bei dem Roten. Ich gebe zu, dass zwei Hunde nicht viel aussagen, aber sie
zeigen wenigstens, dass diese zwei noch die gleichen Augen hatten wie die in den
frühen zwanziger Jahren.
Jetzt müssen wir uns ein wenig mit dem gesamten Körper (im Profil) beschäftigen,
indem wir zwei Hunde der beiden Typen mit der gleichen Körperlänge nehmen: wir
sehen, dass der Steppentyp hochbeiniger ist und der Teil der Vorder- und
Hinterhand kleiner ist als der Teil dazwischen. Wenn ich den Bergtyp im Profil
sehe, möchte ich, dass die Vorderhand, die Rippen und die Hinterhand gleich lang
sind. Beim Steppentyp ist der Mittelteil länger. Dies ist vor allem die Folge
der steileren Schulter und der geringeren Winkelung in der Hinterhand. Beim
Bergtyp geht der Hals langsam fliessend in den 'Dip' über, beim anderen Typ
geschieht dies mit einer plötzlicheren Wendung. Der Bergtyp ist oft hinten ein
wenig höher, wenn er jung ist und auch wenn der Hund darüber nachdenkt, was er
tun will. Der Bergtyp ist stärker gewinkelt, so dass er sich leicht ein wenig
recken kann. In diesem Punkt ist der Steppentyp steifer. Bei Typ-Mischlingen
sieht man oft, dass die Hinterhand zu kurz ist, so dass die Oberlinie des Hundes
nach hinten abfällt und dass ist sowieso ein
unverzeihlicher Fehler bei dieser Rasse.
Apropos Mischlinge, da fällt mir ein,
dass unser ovaler Originalschädel des Bergtyps sich bei ihnen oberhalb der Augen
'aufzublähen' scheint, und wenn der spezielle Hund wenig Topknot hat, zeigt sich
das
umso deutlicher. Es sieht grob aus und meist sind bei diesem Typ von Mischling
die Augen sehr hell und die Ohren hoch angesetzt.
Das bringt mich wieder zur Verteilung des Haarkleides. Bei unseren
ursprünglichen Afghanen habe ich die kurzhaarigen Sprunggelenke immer gesehen.
Sie liessen so schön deutlich werden, was für Pfoten darunter hervorkamen,
selbst beim Steppentyp ragten die Pfoten hervor. Bei den heutigen
Typ-Mischlingen sehen die Vorderläufe oft wie eine Säule aus, und für mich ist
das sehr untypisch. Man hat schon gesagt, dass Bobtails eingekreuzt wurden, aber
ich habe keinen Beweis dafür. Es scheint mir jedoch nicht wahr, denn auch ohne
neue Rassen hat man bei den Tazi-Mischlingen in Generationen so viele
Unterschiede. Es ist mit Sicherheit eins der Ergebnisse unseres
Misch-Masch-Prozesses. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant,
einige Kreuzungen von Afghanischen Windhunden mit anderen Rassen zu erwähnen.
Meist sehen sie eigenartig aus, aber während des letzten Krieges wurde eine
Spanielart (eine grosse) mit einem Afghanen gepaart und ich habe den ganzen Wurf
eine ganze Zeit lang gesehen. Sie sahen genau wie Steppenafghanen aus, und
einige hatten Stromung. Die Mutter war rot und weiss und keiner der Sprösslinge
hatte weiss ausser den normalen kleinen Abzeichen an den Zehen etc.
Wenn ich durch mein Wissen um unsere Afghanischen Windhunde gehe, glaube ich,
ich könnte auch auf das Temperament eingehen, da für mich der Bergtyp viel mehr
Persönlichkeit hat. Sie sind mehr geradeheraus und geraten in fremden
Situationen nicht in Panik. Ich habe nie einen schreckhaften original
Bergafghanen gesehen, aber ich habe viele kriecherische Typ-Mischlinge gesehen,
und es wird gesagt, das komme vom Steppentyp. Ich persönlich habe nur wenige
reine Steppenafghanen näher gekannt, und die waren von mittlerem Temperament,
fügsam und zeigten eine Menge Misstrauen in neuen Situationen. Dessen ungeachtet
heisst es in unserem Standard "distanziert, aufmerksam und königlich, etc", so
dass ich das Gefühl habe, dass es korrekt ist, das Verhalten des Bergtyps
vorzuziehen, und ich würde nicht mit nervigen Tieren züchten. Es kommt einige
Generationen später immer wieder durch.
Gute Gesundheit ist auch wichtig für die Rasse. Beide Typen hatten eine Menge
Probleme mit dem Klima, aber von denen, die überlebten, haben wir ein gutes Erbe.
Afghanische Windhunde sind meist auch sehr gute Mütter. Ich hoffe, dass wir dies
behalten, denn es ist eine Freue einen guten Wurf zu verfolgen, und ich
persönlich fühle mich schuldig, wenn es beim Prozess des Züchtens
Schwierigkeiten gibt.
Bei der Durchsicht dieses Briefes habe ich das Gefühl, dass ich ein wenig hin
und her gesaust bin, aber ich hoffe doch, dass er Ihnen allen bei der Auswahl
der Zuchttiere helfen wird.
Wenn man zu Photos reiner Exemplare der zwei Typen zurückgeht, kann man es
selbst sehen, muss dabei aber bedenken, dass die Tiere für das Photo meist in
Stellung gebracht wurden. Deshalb habe ich am liebsten den Hund abgelichtet,
wenn er frei stand oder sich bewegte, in seiner natürlichsten Art. Machen Sie
solche Schnappschüsse von Ihren eigenen Hunden und schauen Sie, was richtig und
was
falsch ist .
Und vergessen Sie nicht, dass zuallererst der Knochen-Rahmen
stimmen muss, die Bewegung geht damit einher, und dann erst muss man sich um das
Fell sorgen, wenn man Glamour haben will. Aber wenn men zuerst Fell und Glamour
haben will, ist es ein Verbrechen an der Rasse. Dann gehen Sie bitte zu einer
der vom Menschen erfundenen glamourösen Rassen und schaden Sie nicht unseren
asiatischen Rassen aus alten, alten Kulturen.