Was ist der richtige Typ ?


 

Dänemark 1997 - 3. Afghanen-Weltkongress
G. Jipping (Niederlande)
Übersetzung: GabrieleSchröter


Liebe Freunde des Afghanischen Windhundes,
ich war sehr überrascht von der Tatsache, dass ich eingeladen wurde, auf dem Weltkongress einen Vortrag zu halten. Das Problem war nicht der Vortrag, sondern mein schlechtes Englisch. Trotzdem nahm ich die Einladung an, weil meiner Meinung nach die Niederlande eine grosse Rolle in der Geschichte des Afghanischen Windhundes spielen, und wir selbst heute noch einen Typ beibehalten, der dem der ersten Importe nach Holland nahe steht. Ausserdem glaube ich, dass wir in der Afghanenwelt mehr in aller Offenheit miteinander sprechen sollten. An die Organisatoren des Afghanen-Weltkongresses vielen Dank für die Einladung, die ich mit grosser Freude angenommen habe.

Ich möchte mich für meine schlechtes Englisch entschuldigen, und hoffe, dass Sie am Ende meines Vortrages sagen werden 'sein Englisch war nicht so korrekt, aber seine Botschaft war geradeheraus, offen und klar."

Am Anfang kannte unser Land nur zwei Typen, den Bergtyp und den Steppentyp. Der Steppentyp existiert in unserem Land nicht mehr, aber der fast reine Bergtyp wurde von den Züchtern beibehalten so gut sie konnten. Momentan hat unser Land Züchter, die bei ihrem Idealbild des schon erwähnten Typs bleiben, aber es gibt auch einige Züchter, die einen anderen Afghanentyp züchten, den sie für ideal halten. Die letzteren verwenden meist Hunde aus Amerika, England und Skandinavien und haben viele Ausstellungserfolge.

Die meisten Niederländer glauben, dass ernsthafte Züchter in der Wahl ihres Typs frei sein müssen, solange er innerhalb des FCI Rassestandards bleibt.

In den Niederlanden dient der Niederländische Club für Orientalische Windhunde, N.V.O.W., den Interessen des Afghanischen Windhundes. Ausser dem dient er den Interessen der Salukis, Sloughis, Azawakhs, Pharaoh Hounds, Podencos und Cirneco dell'Etna. Frau Jüngeling-van de Berg, die Mutter des weltbekannten Spezialisten Han Jüngeling gründete den N.V.O.W am 21. Juli 1935. Augenblicklich hat der N.V.O.W. 400 Mitglieder und nur 10 Züchter von Afghanischen Windhunden. Die Zahl der jährlich gezüchteten Welpen liegt bei ungefähr 60 gegenüber 700 in den Siebziger Jahren. Die Niederlande haben 16 Richter für Afghanische Windhunde. Wahrscheinlich haben Sie schon einige von Ihnen kennengelernt. Wir haben jedes Jahr etwa 15 internationale Ausstellungen, wovon eine die bekannte Amsterdam Winner Schau ist, und etwa 75 kleinere Zuchtschauen. Der N.V.O.W. hat jährlich eine Spezialschau. Das CAC, dass man dort gewinnt, zählt doppelt und das Reserve CAC zählt als CAC.

Warum habe ich 'Was ist der richtige Typ?' zum Thema gewählt für meinen Vortrag?
Weil es meistens um den Typ geht, wenn irgendwo auf der Welt eine Diskussion über den Afghanischen Windhund stattfindet. Früher gab es nur den Bergtyp und den Steppentyp, heute gibt es den Niederländischen Typ, den Deutschen Typ, den Französischen Typ, den Amerikanischen Typ usw. Wie man hören kann, hat fast jedes Land seinen eigenen Typ. Und innerhalb der Ländergrenzen gibt es eigene Kämpfe um einen speziellen Typ, aber da geht es meist um den Zwingertyp.

Sehr oft frage ich mich, warum so viele Züchter und Richter so verschiedener Meinung sind, wenn es um den richtigen Typ des Afghanischen Windhundes geht. Jedes mal wenn ich in der Geschichte zurück gehe, lande ich schliesslich bei den Afghanenimporten von Herrn Bell Murray, dem Befürworter des sogenannten Steppentyps und Frau Amps, Verfechterin des sogenannten Bergafghanen. Diese beiden Personen, und natürlich diejenigen, die sie unterstützten, sorgten für die Diskussion über den richtigen Typ. Es gab sogar eine Diskussion über die Möglichkeit zweier völlig verschiedenen Rassen, den Bergafghanen (Ghaznityp) und den Steppenafghanen ( Bell-Murray-Typ). Auch der bekannte niederländische Spezialist Herr Jüngeling vom Barukhzy's Zwinger war überzeugt, dass es sich um zwei verschiedene Rassen handelte.

Ich selbst bin nicht völlig überzeugt, dass es zwei verschiedene Rassen waren. Ich glaube nicht, dass es innerhalb der Rasse in Afghanistan verschiedene Typen gab. Aber ich glaube nicht, dass man in Afghanistan reine Steppenafghanen oder Bergafghanen gezüchtet hat. Denn wenn man das getan hätte, wie hätte es dann sein können, dass in frühen gut bekannten Blutlinien vom reinen Bergtyp, alle möglichen Probleme auftauchten, die nicht typisch waren für den Bergafghanen. Oder wie ist es möglich, dass es typische Bergafghanenwelpen und Steppenafghanen in ein und demselben Wurf gab?

Jeder, der etwas über das Ursprungsland dieses Hundes, Afghanistan, weiss, kann Ihnen sagen, dass es dort Berge und Steppen gibt. Darum kann ich mir vorstellen, dass es in früheren Tagen an den Schnittstellen dieser Gebiete Mischlinge zwischen dem Bergafghanen und dem Steppenafghanen gab, oder vielleicht sogar mit anderen Windhunden, wer weiss? Die vorrangigste Priorität war nicht die Reinheit der Rasse; nein, es war wichtiger, dass der Hund für die Arbeit taugte, die er zu tun hatte. Meiner Meinung nahmen Herr Bell Murray und Frau Amps und all die anderen aus den frühen Tagen die ihrer Meinung nach besten Afghanischen Windhunde. Der eine wählte vielleicht den eher Saluki-ähnlichen Afghanischen Windhund (Steppentyp) der andere den kompakten und kräftig gebauten Hund mit viel Fell (Bergtyp).

In jenen Tagen züchteten in den Niederlanden der 'Barukhzy's' Zwinger des berühmten Jüngeling und fast zur gleichen Zeit der bekannteste Zwinger der Welt 'van de Oranje Manege' im Besitz von Frau Eta Pauptit Hunde des sogenannten Bergtyps. Es war hauptsächlich der "van de Oranje Manege" Zwinger, der diesen Typ durch strikte Selektion erhielt und für uns heute bewahrte. Meiner Meinung nach ähneln diese Hunde dem wirklichen Typ der meisten frühen Afghanischen Windhunde aller Typen der Welt. Ich freue mich, dass es selbst heute noch in den Niederlanden aber auch in anderen Ländern Züchter gibt, die diesen speziellen Typ züchten.

Ich hoffe, wir verlieren diesen Typ nie.

Was ist der richtige Typ? Sie werden schon verstanden haben, dass ich diesen Typ bevorzuge. Aber ich kann mir vorstellen, dass es andere Menschen gibt, die einen anderen Typ des Afghanischen Windhundes mögen. Und all diese verschiedenen Geschmäcker sind innerhalb des Rassestandards möglich. Und ich kann Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich einige sehr schöne Hunde von dem Typ kenne, den ich liebe, aber auch von den anderen Typen.

Sie können sich fragen: was schert mich der richtige Typ, wenn so viele Typen innerhalb des Rassestandards ok sind? Sie könnten denken: leben und leben lassen. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, den Typ der ersten importierten Afghanischen Windhunde für kommende Generationen zu bewahren.

Ich möchte noch einmal sagen, dass ich jeden anderen Typ respektiere, solange er in den Rassestandard hineinpasst.

Dann gibt es noch den Faktor der Qualität, der genauso wichtig ist wie der richtige Typ. Ich möchte einige Punkte des Standards durchgehen, von denen ich meine, dass jeder ihnen Aufmerksamkeit schenken sollte, gleichgültig, welcher Typ ihm gefällt. Ich werde nicht auf die Unterschiede zwischen den Standards eingehen, die in verschiedenen Ländern verwendet werden, weil dafür meine Redezeit nicht ausreicht. Ich kann nur die Hauptpunkte hervorheben, um sie Ihrer Aufmerksamkeit nahezubringen, und ich hoffe, dass wir alle zusammen darüber nachdenken.

Der Kopf

Negative Entwicklungen bezüglich des Kopfes sind:
Zu schmale Köpfe, diese verursachen Probleme bei den Zähnen und auch die Augen können nicht mehr korrekt stehen, sondern nahe bei einander. Ein zu schwacher Unterkiefer, dies ist nicht nur hässlich, sondern auch nicht korrekt für einen Hund, weil er niemals die Arbeit verrichten könnte, für die er gedacht ist. Der Stop; wenn ein Afghanischer Windhund nicht ausreichend Stop hat, sieht der Kopf wie ein Barsoikopf aus. Zu grosse Augen; dies verursacht einen untypischen Ausdruck. Eine abfallende Schädellinie bringt den Kopf völlig aus dem Gleichgewicht und ist ganz bestimmt nicht typisch, ganz gleich bei welchem Typ.

Dies Probleme tauchen bei allen Typen auf, auch beim in Europa gezüchteten Afghanischen Windhund, und sie bedrohen den so sehr geliebten orientalischen Ausdruck des Afghanischen Windhundes.

Der Körper

Wenn wir den Standard lesen, erkennen wir, dass er sehr viel Raum für Interpretation lässt. Begriffe wie moderate Länge, ziemlich kurz, recht betont, angemessene Rippenwölbung und eine gute Brusttiefe geben uns kein klares Bild. Ich möchte nicht zu tief in das Phänomen der abfallenden Rückenlinie einsteigen, weil wir wohl darüber einig sind, dass das nicht der korrekte Rücken unseres Afghanischen Windhundes ist. Als Vorsitzender des American Cocker Spaniel Clubs kann ich Ihnen sagen, dass dieses Problem eine der Differenzen unter den Besitzern von Englischen Cocker Spaniels war, die zur zweiten Rasse, der des Amerikanischen Cocker Spaniels, führte. Ich bringe dieses Beispiel in der Hoffnung, dass diese negative Veränderung nicht in den Afghanischen Windhund gelangt.

Ich weiss auch, dass es Aussteller gibt, die die Hinterhand ihres Hundes zu weit noch hinten ziehen und uns ein falsches Bild der Rückenlinie geben, und ich würde dies als mangelnde Erfahrung des Ausstellers bezeichnen. Sehr wichtig ist eine tiefe und geräumige Brust, und die Rippenwölbung sollte recht deutlich sein. Das ist für die Gesundheit des Afghanischen Windhundes wesentlich, weil genug Raum für die Organe da sein sollte.

Das Haarkleid

Ich möchte mich nicht mit der Qualität des Haarkleides beschäftigen, obwohl ich meine, dass sie sich über die Jahre verändert hat. Der Standard besagt, dass sich das Haar natürlich entwickeln sollte., aber er sagt nicht, dass es bis zum Boden reichen sollte. Ich habe nie verstanden, warum manche Züchter langes Haar züchten. Kann es sein, dass sie etwas verbergen wollen, oder ist es nur eine Mode? Ich sehe auf Ausstellungen viele Afghanische Windhunde, deren Hals und Rücken rasiert sind. Obwohl wir ein wenig 'Zurechtmachen' und Pflege des Haars akzeptieren können, hoffe ich, dass Richter das Rasieren nicht akzeptieren. Ich glaube nicht, dass Farbe bei einem Afghanischen Windhund wichtig ist, weil der Standard alle Farben zulässt.

Das Gangwerk

Unser F.C.I. Standard verlangt ein fliessendes und federndes Gangwerk mit hochklassigem Stil. Meiner Meinung nach bedeutet das eine freie Bewegung mit starkem Schub und grossartigem Stil. Der Hund hat dabei von allen Seiten gesehen eine freie Aktion. Die Hinterläufe haben eine stark vorwärtstreibende Kraft. Diese Art von Bewegung sieht man nicht mehr häufig in den Ausstellungsringen.

Eine Reihe Afghanischer Windhunde bewegen sich immer mehr in einem weit offenen Stil, dicht am Boden und schleifen deshalb ihre Pfoten über den Boden. Dies mag spektakulär sein, hat aber keine Kraft. Und doch werden sie Champions.

Bitte denken Sie daran, dass wir dieses typische Afghanen-Gangwerk nicht wieder bekommen, wenn wir es einmal verloren haben.

Ich hoffe, wir werden diese Punkte, die für diese alte Rasse wichtig sind, nicht verlieren.

Zum Abschluss

Bevor ich meine Rede schliesse möchte ich gern eine Botschaft von der jetzt 83-jährigen Frau Eta Pauptit vorlesen. Wie jeder weiss, züchtete Frau Eta Paptit unter dem Zwingernamen 'van de Oranje Manege' Afghanische Windhunde. Sie ist eine der Personen, die, mit den ersten Importen im Sinn, den Originaltyp erhielt. Durch ihr Zuchtprogramm wurde der Afghanische Windhund in der ganzen Welt bekannt. Viele Afghanische Windhunde weltweit sind Nachkommen ihrer Zucht. Dies ist, was Eta Pauptit schreibt:

Ich möchte jetzt die neuen Richter und Züchter bitten, diese besondere Rasse so zu erhalten wie sie zu uns gekommen ist. Stellen Sie bitte sicher, dass sie ein freies Verhalten haben. Achten Sie bitte auf eine schräge Linie vom Hinterhauptstachel zum Dip und dann leicht nach oben und über einen kräftigen Rücken zur Rute. Achten Sie bitte darauf, dass sie einen kurzen, harmonischen Rumpf mit gut entwickelte, breitem Brustkorb und tiefer Rippenpartie haben, der Vorder-und Hionterhand harmonisch verbindet, mit reichlich Platz für Lunge und Herz. Das bedeutet auch: ziemlich grosse Pfoten mit guter Auftrittsfläche, gut federnd durch schräg gestellte Fesseln und gut aufgeknöchelten, kräftigen Zehen, nirgendwo etwas Gerades. Die Hinterläufe müssen eine gute Winkelung haben und einen grossen Abstand zwischen Knie und Sprunggelenk. Nur auf diese Weise können sie das ganz besondere Gangwerk ehalten. Übertreiben Sie nicht mit Dingen wie Haarkleid. Zu viel Haar verdeckte gute Punkte und so schleichen sich weniger gute ein, und dann wird wegen des Glamours der ursprüngliche Afghanische Windhund verschwinden.

Das Ergebnis wäre eine Imitation und so etwas bewundere ich nicht.


So weit Frau E. Pauptit.

Meine Damen und Herren, sehr verehrte LiebhaberInnen des Afghanischen Windhundes, obwohl es nicht möglich war, das Material zu vertiefen, habe ich versucht, Ihnenmeine Ansicht über Typ und Qualität zu vermitteln. Wenn wir in Zukunft unsere Probleme in Angriff nehmen wollen, müssen wir dies öffentlich
machen. Dies ist nur möglich, wenn wir Kritik akzeptieren und gegenseitig unsere positiven und nagativen Punkte objektiv sehen können. Ich bin hierfür rigoros offen.

Ich möchte meine Rede mit den folgenden Worten beenden:


Verleugnen Sie nicht den Ursprung unseres Afghanischen Windhundes, es gibt nur einen.



G. Jipping

Juni 1997
Copyright© 1997
 

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